Macht sich das eigentlich noch jemand klar, daß Vertrauen die Basis von allem ist?
Wir gehen aus dem Haus in den öffentlichen Raum. In der Regel ohne Angst. Wir gehen davon aus, daß jeder Passant, der uns begegnet, an uns vorübergeht, mit dem üblichen – sozial geprägten – Kenntnisnahmeblick, und gut. Das ist nichts anderes als ein Vertrauen darauf, daß der gesellschaftliche Konsens lautet: Wie gehen nicht aufeinander los.
Zwar mag dieses Grundvertrauen etwas gelitten haben – unter Betrügereien im Internet, unter Angriffen mit Fahrzeugen als Waffe durch Extremisten oder durch psychisch kranke Menschen – doch im Wesentlichen hat es Bestand.
Dieser Tage hatte ich gleich zwei Mal Grund diese Behauptung bestätigt zu sehen. Eine Handelspartnerin hatte sich vertan und mir die falsche Ware geschickt. Die Rückabwicklung lief sauber, freundlich, schnell, problemlos. Da war aber auch gut entspannt sein auf beiden Seiten – die große Plattform hätte uns im Falle eines Betrugsversuchs geschützt. Ganz anders war es mit meinem nächsten Handel – keine Deckung durch eine Organisation, wäre diese Person ein Fake gewesen: Tja. Pech. Im Vorfeld des Handels hatte ich einen eingehenden schriftlichen Austausch mit meinem Handelspartner und kam qua Bauchgefühl und Lebenserfahrung zu dem Schluß, dieses Risiko könnte ich eingehen. Spoiler: Hat gepasst.
Ich rate nach wie vor zur Vorsicht bei Geldausgaben über das Netz, Transaktionen, in denen man die Person dahinter nicht kennt. Aber ich sage auch – und dazu stehe ich wirklich – die meisten Menschen, auch da draußen, sind ehrlich und um Fairness bemüht.
Ich kaufe seit ungefähr zwanzig Jahren von Privatleuten im Netz – und betuppt worden bin ich genau einmal. Und ich hätte es wissen können – der Preis war einfach zu gut.
