Der neue Bruder macht mir Vergnügen – heute ist der Tag der Flachwitze, ich meine meinen neuen Drucker/Scanner/Blabla von Brother. Die Installation war unkompliziert, auch ohne die verdammte App (dafür ist mein Handy zu alt). Die vergessenen Tintenflaschen liefert der Händler dieser Tage nach, stressfrei, das Gerät ist schnell und erstaunlich leise. Wie traumhaft nie wieder mit Patronen, Inkompatibiläten und Chipsätzen herumturnen zu müssen! Das Schönste: Ich kann die Software anweisen weder automatisch nach Softwareupdates zu suchen noch sonst in irgendeiner Weise nach Hause zu telefonieren.
Für mich ist das etwas Grundsätzliches.
Ich fahre hier Software, die alt ist, aber für meinen Bedarf ausreicht. Die ist alt, weil es sich um die jeweils letzte stand-alone-Version des jeweiligen Programms handelt. Meint: Läuft lokal, ganz und gar offline. Abomodelle, ganz zu Schweigen vom total buy out qua EULA lehne ich absolut ab. Ich verschenke meine kreative Arbeit nicht an Konzerne, die sie dann nach Belieben weiterverwenden, modifizieren oder für das Training einer sogenannten KI einsetzen.
Eine Cloud drängt mir mein Telefonieanbieter auf. Ich habe sie nie benutzt. Nichts ‚da draußen‘ ist je wirklich und auf alle Zeiten sicher.
Mein Browser ist zwar ein Chrome-Derivat, aber deutlich weniger mitteilsam, und sonst so konfiguriert, daß er nicht alle möglichen Daten in die Welt bläst, der Cache leert sich selbständig beim Schließen, Kekse verschwinden sowieso – soweit ich sie überhaupt zulasse. Und kommt mir eine Website mit sechsundzwanzig Parteien berechtigten Interesses (Pffffff!), dann suche ich mir meine Information woanders.
Passworte liegen bei mir einzig im KeePass (Passwortverwaltungssystem, streng lokal). Bankgeschäfte führe ich ausschließlich vom Schreibtisch aus, mein Mobiltelefon hat keine Erlaubnis dazu, es ist lediglich für die doppelte Sicherung des entsprechenden Zugangs verantwortlich. Ich bezahle auch nichts per Mobiltelefon – keine Wallet, kein blablubirgendwas-Pay – mein tiefes Misstrauen gegen diese Systeme ist unüberwindbar.
Telegramm, Instagramm, FB, Whatsapp – nein, danke. Signal, seit Ewigkeiten. Durchaus auch mit Fragezeichen, aber nicht im Rudel.
Und schließlich: Meine Fritzbox ist ein guter technischer Freund. Hier kann ich – quasi in letzter Instanz vor ‚draußen‘ – sehr genau regulieren, wer wie wann wohin Daten schicken darf. Oder eben nicht.
Heute habe ich meinen Staubsaugerroboter, der sich verschluckt hatte, überreden können sich wieder mit dem hauseigenen WLAN zu verbinden. Darüber freue ich mich, denn es macht das Leben leichter, jedoch arbeitet er auch ohne, es ist nur unbequemer. Der telefoniert nur und in Grenzen mit Vorwerk, aber damit kann ich leben. Der Grundriss meiner Wohnung ist extrem öffentlich für jeden, der zu suchen versteht, auch ohne meine Hilfe.
»Wie passt denn dein Sicherheitsbewußtsein zusammen mit der Offenheit, in der du in deinem Journal von vielen Dinge berichtest?« fragte gerade jemand aus der letzten Stuhlreihe.
Gute Frage, aber das ist schnell erklärt: Ich muß meine Meinung, Haltung, Lebensweise nicht verstecken, und ich habe auch keine Lust dazu. Auch weiß ich sehr genau, wieviel ich erzähle. Und Menschen in meinem Leben kommen ohnehin immer nur in Chiffren vor, es sei denn, sie sorgen selbst für etwas anderes (Hallo, Wolfgang!😘) Allerdings hat es Gründe, daß ich hier unter Pseudonym schreibe. Ich hatte Stalker. Das brauche ich nicht wieder. Und wer meinen Klarnamen ermitteln kann, wird hoffentlich diese kleine Ecke im Netz respektieren. Falls nicht, fällt mir auch nicht der Himmel auf den Kopf. Doch wäre es mir lieb, wenn privat und beruflich schön sauber nebeneinander laufen und sich nicht kreuzen.
Unterm Strich: Ich kümmere mich um meine digitale Souveränität, so gut ich kann. Daß sehr vielen Menschen ein Bewusstsein dafür zu fehlen scheint, daß ihre Daten schutzwürdig sind, befremdet mich.
Naja, das ist wohl so mit Dinosauriern.
(Kleine Bemerkung: Daß mir Peter soviel über die technische Lage dieser Präsenz erzählen konnte, ist ein ganz anderer Strumpf. Jeder, der die entsprechenden Tools einzusetzen versteht, kann das. Das Web ist nicht Fort Knox. Was man nach draußen schickt, kann analysiert werden. Macht euch das klar!)
Bildquelle (Header): store.brother.de
